Bosheitsnacht

Bin grad retour aus dem Mühlviertel – mit einem uralten Brauch im Gepäck: letzte Nacht war Bosheitsnacht (in anderen Gegenden auch Unruhnacht genannt). In der Nacht von Pfingstsonntag auf -montag darf man nach Einbruch der Dunkelheit kleinere Streiche spielen – solange man sich nicht dabei erwischen lässt!

Ich erinnere mich an eine Bosheitsnacht bei den Cousinen im Nachbardorf – wir haben nur harmlose Dinge angestellt und plötzlich kommt aus der Dunkelheit eine Männerstimme:“Hiaz dawisch i eich!“ Blitzschnell waren alle in alle Himmelsrichtungen verschwunden (alte Taktik – wenn man sich aufteilt, hat´s der Verfolger schwer!). Nur ich war nicht ortskundig, bin zwischen zwei Häusern durchgelaufen und in der Sackgasse geendet – TODESÄNGSTE!!! Erwischt hat er mich nicht, aber danach war ich ein paar Jahre nicht unterwegs in der Bosheitsnacht.

Bis ich so ca. 14 war. Jedes Mal, wenn der Zahnarzt mit einer Behandlung fertig war, hat er gesagt: „So, passt wieder. Nächstes Mal kannst schon den Freund mitbringen!“ – Wenn der gewusst hätte, dass ich mit seinem Sohn zusammen war (hat damals bedeutet: Händchen halten, telefonieren (gaaaanz selten) und ein Bussi da und dort)! Jedenfalls mit dem Zahnarzt-Sohn und Freunden (cool, weil alle viel älter!) war ich in der Bosheitsnacht in Ulrichsberg unterwegs. Wir haben beim alten Gemeindehaus ein paar Fenster ausgehängt und im Marktbrunnen versenkt – konnten wir ja nicht wissen, dass da nachher jemand Gartenbänke reinwerfen würde. Jedenfalls gab´s ein Nachspiel bei der Polizei und ich bin den Jungs heute noch dankbar, dass sie dicht gehalten haben und ich offiziell nie dabei war. Danach bin ich wirklich nie mehr „bosheiten“ gegangen, wurde aber noch ein paar Mal Opfer z.B. als mein Tuchent entwendet und bei meinem damaligen Freund B. deponiert wurde. Nicht schlecht – dafür musste man sich immerhin Zugang zu 2 Häusern verschaffen, wo überall jemand zu Hause war!!!

In unserem Dorf ist der alte Brauch nach Anzeigen wegen Sachbeschädiung und Körperverletzung (!) so gut wie abgekommen (ein bissl rauer geht´s am Land schon noch zu…), aber die Kirchgänger fanden heute Früh wieder allerhand Gerätschaft, Traktor und ein Auto ohne Kennzeichen rund um die Kirche drapiert. Ist doch schön, wenn die Jugend alte Traditionen weiterführt ;-)

Sags in Deinen Worten.