Was hab ich damals den Kopf geschüttelt über Berichte aus Japan, wo Eltern alle Hebel in Bewegung setzen um ihr Kind in den richtigen Kindergarten rein zu bringen, weil sonst die Karriere verbaut und das Leben quasi verpfuscht ist. Jetzt stehen wir selber vor der Qual der Wahl und sind untentschlossen, um nicht zu sagen ratlos.
Ob der private Kindergarten eines Ordens nur für Snobs ist, oder doch der einzige Ort, wo wahre Werte gepredigt werden (auch wenn Emmas Vater vom gleichen Orden mal eine heftige Watschn abgekriegt hat), müssen wir nicht mehr entscheiden – für Herbst 2011 sind wir hoffnungslos zu spät dran und wären auf aussichtslosem Platz auf der Warteliste.
Der Kindergarten der Kindercompany schaut nett aus, auch das Personal wirkt freundlich und an Kindern interessiert (auch wenn ein Kleinkind, das nicht zeitgerecht abgeholt wurde, bei unserem Besuch etwas lieblos im Kinderwagen zwischengeparkt und dann zur Aufbewahrung weitergegeben wurde) und für Juli 2011 gäb´s auch noch einen Platz – der uns bis heute unverbindlich reserviert wurde… äh, ich soll mich also entscheiden!! 2011 gibt´s („auf Grund der Nachfrage“) wahrscheinlich nur mehr bilinguale Gruppen, das heißt, obwohl die Stadt Wien den Grundbeitrag übernimmt, fallen monatliche Kosten von € 95,- (bei 16-20 Stunden pro Woche) bis € 195,- (bei Ganztagsbetreuung) an. Ob die englischsprachigen Assistentinnen aus Afrika und Thailand wirklich mehr kosten als österreichische sei dahingestellt…..
Hochgerechnet bis zum Schulantritt ergibt das einen Unterschied von ca. € 5.500,- im Vergleich zum städtischen Kindergarten (hey, um das Geld bräuchte Emma nicht bis zur Matura auf ihr erstes, kleines, altes Auto warten, sondern könnte schon zur Volksschule damit fahren!!).
Zum Thema bilingual war im Eltern-Heft 9/2009 zu lesen: „Verschultes Lernen ist für dieses Alter kaum geeignet. Selbst wenn die Kinder mit ein paar englischen Wörtern nach Hause kommen, bleibt ihnen die Fremdsprache fremd. Sie imitieren nur.“ Befürwortet wird das sogenannte „Immersionsverfahren“, wo die Sprache in den Alltag integriert ist (und nicht auf ein paar Spiele und Reime reduziert), für übliche Tätigkeiten verwendet wird und eine englischsprachige Erzieherin nur englisch redet. Zumindest Letzteres wäre erfüllt, auch wenn es sich dabei nicht um native speaker handelt.
Der städtische Kindergarten hat auch ganz nett gewirkt und ist recht geräumig, wäre ebenfalls in der Nähe und bietet von Kleinkindergruppen bis zum Hort Betreuung für Kinder – in erster Linie für berufstätige Mütter. Mutterschutz wird lt. tel. Auskunft gerade noch mal nachgesehen, aber sonst wird die angebotene Betreuungsdauer nach dem Ausmaß der Berufstätigkeit ausgerichtet. Hm, wieviel werde ich 2011 arbeiten? Außerdem wird man bei städtischen Kindergärten hinter vorgehaltener Hand vorm Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund gewarnt – obwohl: meine größere Sorge ist – jetzt mal pauschal verunglimpft - der “Gemeindebau“!! Was, wenn Emma dort einen Slang lernt, der sie für den Rest ihrer Tage disqualifiziert?!
Jedenfalls habe ich nach umfassender Web-Recherche, Telefonaten mit 4 Kindergärten und Besichtigungsterminen in 3 Häusern noch immer ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht ausreichend Info für eine fundierte Entscheidung habe. Andererseits bemühe ich mich, am Boden zu bleiben und bei Kindergärten z.B. bezüglich Essen nicht höhere Standards anzulegen, als ich selbst im Alltag lebe. Und wir wollen Emma ja auch nicht ganztags abgeben und erst zu Schulbeginn wieder abholen, sprich: deutsch lernt sie hoffentlich von uns ausreichend und sie muss nicht zwingend zu Schulbeginn schon fließend in 5 Sprachen sein.